Wie verteidige ich mich gegen Axtangriffe?

Wie verteidige ich mich gegen Axtangriffe?

Das brutale Axtmassaker im Würzburger Zug hat neben großer Empörung auch die Ratschläge von Gewalt-Experten hervorgebracht. Nug Mui prüft die Selbstverteidigungstipps der Sächsischen Zeitung vom 21. Juli auf ihre Praxistauglichkeit. Hier ist der Artikel: http://www.sz-online.de/…/wie-verhalte-ich-mich-bei-einem-a…

Wir erinnern uns, dass der Täter mit einer gefährlichen Axt und einem scharfen Messer bewaffnet mehrere Personen im Zug erst massiv angriff und schließlich massakrierte. Deeskalationstrainer Heinz Kraft rät: „Der erste Reflex muss sein: sich in Sicherheit zu bringen, zu flüchten.“ Wie er sich das in einem fahrenden Zug vorstellt, das verrät er dem interessierten Leser leider nicht. Hätten Sie die Möglichkeit zu flüchten, dann nutzen Sie diese selbstredend. Im abgeriegelten Zug sind alle Reisenden fällig, sobald der Täter in den Blutrausch verfällt – Schritt für Schritt.

Wir meinen, dass allein im Interesse des eigenen Fortbestandes der Versuch der körperlichen Verteidigung mehr als angebracht wäre. Kollektive Selbstverteidigung ist ein erster Reflex. So geht es: Der Verteidiger nimmt Aktentasche, Tablett oder Handtasche in die linke Hand und bewaffnet sich rechts mit einer Waffe (Taschenmesser, Wasserflasche, Schlüssel, Handy …).
Was würde geschehen, wenn 8 Fahrgäste footballmäßig auf ein Kommando den Angreifer mit ihren Alltagswaffen attackieren würden? Diese evolutionär erfolgreichste Jagdtechnik, die Rudeltaktik, würde den überforderten Täter durch die schiere Überzahl in Sekunden ausschalten.

So koordinieren Sie den Rudelangriff:

1. Bewaffnen Sie sich mit Alltagsgegenständen nach dem Modell „Schild und Stock“.
2. Gehen Sie aus der unmittelbaren Angriffszone.
3. Koordinieren Sie Mitreisende („Besorgen Sie sich eine Waffe! Wenn ich bis 3 gezählt habe, greifen wir ihn gemeinsam an. Informieren Sie andere!)
4. Kollektiver Rudelangriff

Die Voraussetzungen sind Mut, Entschlossenheit und Kooperation.

Einfach und genial ist aber auch die Lösung des SZ-Experten. Sie lautet: Ablenkung! Ja, richtig gehört. Der hochaggressive Axt-Attentäter sei mit einer unerwarteten Reaktion „abzulenken von seinem eigentlichen Plan“, Menschen mit den, in seinen Händen befindlichen Waffen, zu köpfen. Jetzt wollen Sie bestimmt auch wissen, wie das die SZ genau anstellen möchte. Nämlich so: „Halten Sie ihm eine Aktentasche hin; damit rechnet er nicht. Oder man kann so tun, als befinde sich jemand in seinem Rücken.“ Die Ablenkung ist laut SZ-Experten nicht immer leicht, denn „nicht jeder Angreifer versteht deutsch.“ Hatten wir es alle doch schon immer gewusst: Körpersprache ist eben alles.

Ist der Gegner nun erst einmal so raffiniert abgelenkt, so sollten ihn die SZ-Leser nun „schubsen, zu Boden stoßen, ihm mit einem Hilfsmittel auf den Kopf schlagen.“ Hoffentlich kann sich Lieschen Müller die Reihenfolge auch richtig merken. Die SZ-Leser sollen den messer- und axtschwingenden Angreifer schubsen und zu Boden ringen. Das soll das Opfer aber bitteschön ganz allein hinbekommen. Auch die Frage, wie nicht angegriffene Nebenstehende reagieren sollten, weiß der SZ-Experte siegessicher zu beantworten: „Nicht selbst eingreifen, auch wenn es schwierig ist, weil die meisten Menschen den Hilfeimpuls in sich spüren.“ Wir hoffen nur, dass die Polizei diese Ratschläge nicht befolgt. Das erklärt zumindest die rückläufigen Abonnentenzahlen der etablierten Tageszeitungen.

Dabei ist die „Ablenkung“ vielmehr eine wunderbare Strategie für die verbale Phase in waffenlosen Streitgesprächen. Die schwere Bewaffnung des Zugtäters zeigt, dass er sich in der Phase des körperlichen Übergriffs befindet. Das folgende rücksichtslose Abschlachten bestätigte die Übergriffsphase. Mit einem bewaffneten Verhandlungspartner gibt es leider nichts mehr zu verhandeln. Das weiß Profi Heinz Kraft ja auch, wenn er zugibt: „Bei Terroristen oder Amokläufern haben Gespräche, die den Täter von seiner Tat abbringen sollen, keinen Sinn.“ Dennoch rät er dem SZ-Leser, die Ablenkung mal zu versuchen – viel Glück!

Viele fühlen sich unsicher

Das persönliche Sicherheitsgefühl ist inzwischen bei vielen im Keller (Umfrage bei der Kronen-Zeitung: 91,4 % sind der Ansicht, dass ihr persönliches Sicherheitsgefühl abgenommen hat). Und so übernimmt der Experte zum Abschluss ihre hauseigene Bewertung der Sicherheit gleich mit, denn „Niemand sollte in Alarmismus verfallen“. Gescheite Fachbegriffe, wie „Alarmismus“ kennen eben nur gescheite Fachgrößen. Wir Ungelernten können nur die Bedeutung erraten, wonach jeder sein natürliches Alarmsystem ausschalten sollte. Aber für nun aufgeklärte SZ-Zugreisende gilt:

Vertieft mit dem Handy zocken oder am besten Weiterschlafen, denn der Profi weiß „Deutschland ist ein sicheres Land“. Gute Nacht.

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