Messerabwehr Teil 2. Der Überraschungseffekt

Messerabwehr Teil 2. Der Überraschungseffekt

Letzte Woche haben wir im ersten Teil gesehen, wie unvermittelt Messerangriffe erfolgen können, wenn sie verschleiert werden. Wir unterscheiden zwischen offensichtlichen und verdeckten Messerangriffen. Da Messer in der Nahdistanz benutzt werden, werden sie häufig am Körper versteckt oder als Alltagsgegenstand getarnt. Es gibt sogar spezielle 3-Punkt-Taschenlampen. An Stelle der dritten Glühbirne, befindet sich ein Schnappmesser.

Erst im April wurde dem Hamburger Abendblatt bekannt, dass die Terroristen der islamischen Organisationen IS Handlungsanweisungen für das Niederstechen von Polizeibeamten herausgegeben hatten. Zum einen gibt es Vordrucke, die die exakte Vorgehensweise des Stabbings (verdeckter Messerangriff) beschreiben. Zum anderen kursiert ein Anleitungsvideo, das den Tätern zeigt, wie sie am effektivsten zustechen sollten.

„In dem Film wird genau beschrieben, wie man einen arglosen Polizisten ablenkt und wo man genau hinsticht, um ihm tödliche Verletzungen zuzufügen. In drei Szenen stellen IS-Terroristen, die vermummt sind, die Vorgehensweise nach. Die Aufnahmen haben Untertitel in deutscher und arabischer Sprache. „Wir nähern uns, tricksen ihn aus, indem wir seine Blicke irgendwohin richten“, heißt es beispielsweise in einer Szene, in der ein Terrorist seinem Opfer einen Zettel gibt, um es abzulenken. Auch für derartige Angriffe „geeignete“ Messertypen werden in dem Video beschrieben.“

Im Internet sind etliche dieser schauderhaften Gebrauchsanweisungen für tödliche Angriffe veröffentlicht.

Angriff an unerwarteter Stelle
In Neuendettelsau mussten wir am 09.05.17 sehen, wie überraschend so ein Messerangriff geschehen kann. Mohammed G. (24), Asylbewerber aus Äthiopien, saß mit dem späteren Opfer auf einer Bank. Kurz zuvor hatte er sich einen Döner gekauft und sich neben die Frau gesetzt. Plötzlich stach der Afrikaner mit einem Küchenmesser auf sie ein. Das Opfer war im fünften Monat schwanger, das ungeborene Kind ist tot. Die Frau schwebt noch in Lebensgefahr.

Das war ein gezielter Anschlag
In Prien am Chiemsee ereignete sich Ende April eine nicht weniger schauderhafte Bluttat. Zunächst saß ein Asylant unauffällig auf einer Bank gegenüber eines Supermarkt-Eingangs. Von dort sei er wie aus dem Nichts auf eine Frau, die gerade mit dem Einkaufswagen und den beiden Kindern den Supermarkt verließ, losgegangen. „Er sei dann von hinten auf die Frau los, habe ihr in den Kopf gestochen und die Kehle durchgeschnitten. Wie in Trance soll er dann weiter auf sein Opfer eingestochen haben.“ Die arme Frau starb noch vor dem Lidl.

Die Zeiten haben sich geändert. Der Feind hat sich geändert. Wer immer noch an das Gute im Menschen glaubt, glaubt an ein Ideal, so achtbar es auch sei. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut – aber nicht im modernen Messerkampf, dem Stabbing. Alle Werte, alle Moral und alle Ethik, alles Recht, jegliches Prinzip von Tugend und Fairness, jegliches Verständnis von Humanität werden im direkten Zweiergefecht des 21. Jahrhunderts ganz offen und unverblümt auf den Kopf gestellt. Bei Feindseligkeiten gewinnt leider meist
derjenige, der zuerst zuschlägt. Jede Heimtücke, jede mörderische Falle, jede versteckte Waffe, jede Überraschung und Verrohung, jede Perversion führt das Opfer schnurstracks in die Leichenhalle.

Wenn wir nicht länger in der Lage sind, eine Situation zu ändern, sind wir gefordert, uns selbst zu ändern.

Frankl, Viktor Emil (1905 – 1997) österreichischer Neurologe und Psychiater

Verteidigung gegen das Stabbing
Der wichtigste Aspekt der Verteidigung gegen Stabbing (verdeckter Messerangriff) ist die Achtsamkeit. Überraschungen geschehen, wenn wir abgelenkt sind, uns mit anderen Dingen beschäftigen als unserem Umfeld. Überraschungen funktionieren nur dann, wenn man am wenigsten damit rechnet: während des Einkaufs oder auf dem Heimweg von der Arbeit. Plötzlich ist man in Lebensgefahr.

Achtsamkeit
Du kannst eine Gefahr nur vermeiden, wenn du diese vorher als solche erkannt hast. Der entscheidende Punkt zur Abwehr ist genauso einfach wie wichtig: die Aufmerksamkeit. Es ist wichtig, seine Umgebung wahrzunehmen und potentielle Gefahren zu erkennen. Jeden Tag laufen viele Menschen durch die Straßen, ohne ihr Umfeld überhaupt wahrzunehmen. Erste Städte haben für Handy-Dauernutzer Ampel-Signale auf dem Asphalt angebracht. So gibst du ein leichtes Ziel ab.

Wenn wir nicht ganz wir selbst sind, wahrhaft im gegenwärtigen Augenblick, verpassen wir alles.
Thich Nhat Hanh

Jeder kann gefährliche Situationen vermeiden, indem er ein paar Schritte vorausdenkt. Allein mit der erhöhten Aufmerksamkeit kann man seine Reaktionszeit um ein Drittel verkürzen oder man vermeidet gefährliche Situationen, bevor sie überhaupt entstehen.

Wenn du in der Einkaufspassage oder zum Auto unterwegs bist, tue nicht mehrere Dinge gleichzeitig. Starre nicht unentwegt auf dein Handy. Du würdest auch nicht auf die Idee kommen, wären des Einkaufens einen Roman durchzulesen. Wenn du mit Player-Stöpseln in den Ohren und auf den Boden gesenkten Blick deines Weges gehst, kannst du fast nichts mehr von dem, was rings um dich herum geschieht wahrnehmen. Jeder Angreifer, der aus dem Hinterhalt zuschlägt oder plötzlich neben dir zuschlägt, hätte dann ein leichtes Spiel.

Sei hier und nicht dort
Achtsamkeit bedeutet wach zu sein. Es bedeutet zu wissen, was du gerade tust. Was passiert? Was siehst du? Was hörst du? Du hast den Kopf für das Hier und Jetzt frei und überprüfst wie durch einen eingebauten Radar automatisch deine Umgebung. Über Jahrtausende war der wichtigste menschliche Überlebensinstinkt darin, ständig seine Umwelt wahrzunehmen und nach Gefahr abzugleichen. Man ist dabei nicht dauerhaft im Alarmzustand. Man achtet einfach nur etwas besser auf das, was um einen herum passiert.

 

Schnell werden folgende Verhaltensregeln zur Normalität und dich auch nicht weiter beschäftigen:

  • Stelle oder setze dich nicht mit dem Rücken zu anderen Menschen.
  • Achte darauf, dass dein Sichtfeld so weit wie möglich ist.
  • Falls du eine mögliche Gefahr wahrnimmst: Blicke dort hin, von wo die Gefahr ausgeht. Wegschauen, nach der Vogel Strauß Methode und so tun als sei nichts, macht einen Angreifer sicherer und dich zum Opfer.
  • Gehe aufrecht. Den Kopf entschlossen angehoben, die Schultern gerade.
  • Tritt möglichst sicher und entschlossen auf mit fester Stimme und festem Schritt.
  • Die Hände hast du aus den Taschen genommen, die Arme etwas angewinkelt. So könntest du bei einem Angriff sofort losschlagen.
Du hast geduldig gewartet: Nächste Woche wird deine Geduld mit einem großen Technikaufsatz zur Messerabwehr belohnt.

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