So wehrst Du Messerangriffe ab - Teil1

So wehrst Du Messerangriffe ab - Teil1

Seit einigen Monaten gibt es enorm viele bewaffnete Übergriffe mittels Messern, Macheten und sogar Äxten auf unbewaffnete Menschen. Zu den schrecklichen Gräueltaten von Würzburg (19.07.2016) und Düsseldorf (09.03.2017) geschahen noch unzählige weitere Messerangriffe, die es nur sehr selten in die überregionalen Medien schafften. Ein 17-Jähriger Flüchtling aus Afghanistan hatte in einem Regionalzug bei Würzburg die Reisenden mit einer Axt „mit großer Wucht“ angegriffen und dabei fünf von ihnen schwer verletzt. Die Eltern, zwei chinesische Touristen warfen sich schützend zwischen den Täter und ihre Kinder. Der 62 Jahre alte Vater trug schlimmste Kopfverletzungen davon.

Neun Menschen sind im März bei der Axt-Attacke am Düsseldorfer Hauptbahnhof verletzt worden. Offenbar wahllos griff der Täter mit einer Axt zwei Fahrgäste im Zug an, stieg aus und attackierte am Bahnsteig wahllos weitere Passanten.

Aus fachlichem Interesse bin ich diesen neuartigen Waffenangriffen nachgegangen und stellte eine Unmenge an gleichartigen Vorfällen fest: vom aufsehenerregenden Messermord an einem 16-Jährigen Jungen in Hamburg bis hin zu einem Asylbewerber aus Äthiopien, der plötzlich mit einem Küchenmesser auf eine Frau einstach und sie lebensgefährlich verletzte (09.05.17 Neuendettelsau).

Die brutalen Messerangriffe auf unbeteiligte Menschen häufen sich in den letzten Wochen und Monaten. An mich traten immer häufiger verunsicherte Mensche heran und fragten nach den Möglichkeiten der Abwehr solcher bestialischer Angriffe. Ich antworte gern zuerst mit den Worten des chinesischen Philosophen Laotse.

Waffen sind Unheil bringende Gegenstände und keine Instrumente des weisen Mannes. Wenn er sie dennoch benutzt, hat er keine andere Wahl. Er legt Wert auf Direktheit und lobt sich nicht selbst.

Um es vorwegzunehmen: Die Chancen, einen Messerangriff heil zu überstehen, stehen auch für einen Kampfsport-Profi nicht gerade gut – für einen Anfänger ist es nahezu aussichtslos.

Kenne den Gegner
Um unsere Chancen beträchtlich zu erhöhen, analysieren wir als Erstes die Vorgehensweise der Täter. Dazu unterscheiden wir zwischen offensichtlichen und verdeckten Messerangriffen. Bei offensichtlichen Messerangriffen wird das Messer als ein Hilfsmittel eingesetzt, um einer Forderung, beispielsweise nach Geld, Nachdruck zu verleihen. Die Waffe wird demonstrativ eingesetzt. Sie erfüllt in erster Linie eine Bedrohungsfunktion.

Erst in zweiter Linie wird sie verletztenderweise eingesetzt. Die meisten offensichtlichen Angreifer haben nicht die primäre Absicht, das Messer zu benutzen. Es geht ihnen darum, ihre Forderung durchzusetzen. Die Waffe ist die Bedrohung dafür. Dass der Angreifer uns „nur“ bedroht, bedeutet also nicht automatisch, dass er das Messer nicht einsetzt. Also sei bei folgenden deiner Möglichkeiten auf der Hut:

  • Die Forderung erfüllen.
  • Den Gegner täuschen.
  • Mit dem Gegner verhandeln.
  • Eine eigene Waffe beschaffen.
  • Den Gegner angreifen.

 

Stabbing

Verdeckte Messerangriffe, Stabbing, so der moderne Fachbegriff, sind eine absolut neue Art der Angriffe auf Normalbürger und bedürfen auch deshalb unsere vollste Aufmerksamkeit. Es handelt sich beim Stabbing um einen gezielten oder wahllosen Tötungsversuch, der es verlangt sich allein deshalb schon damit zu beschäftigen. Der beim Stabbing mit scharfen Waffen ausgeführte gezielte Tötungsversuch von unbewaffneten „Zivilisten“ ist neu. Im Fachjargon spricht man vom „unbedingten Tötungsvorsatz“. Stabbing kam früher nur in Form des gezielten Attentates in Geheimdienstkreisen oder mafiösen Strukturen vor. Heute zählt der Messerangriff zur möglichen Gewaltrealität in unserer unmittelbaren Umgebung.

Der unsichtbare Angriff
Aus folgenden drei Gründen ist der verdeckte Messerangriff noch einmal gefährlicher, als der schon lebensgefährliche offensichtliche Messerangriff:
1. Keine Verhandlung: Der Angreifer hat sich bereits festgelegt. Er will verletzen oder töten. Er hat einen Vorsatz. Es gibt nichts auszuhandeln.
2. Kein Vorkampf: Der Angreifer hat sich, wenn auch nur im Bruchteil einer Sekunde für ein oder mehrere Opfer entschieden. Wenn es erste Anzeichen für ein Stabbing gibt, ist der Messerangriff bereits in vollem Gange.
3. Kein Erkennen: Der Verteidiger sieht die Waffe nicht oder bei der Angriffsdurchführung, also zu kurz. Die Vorwarnzeit ist enorm kurz.

Die Waffenhaltung
Die wichtigste Prävention ist die Früherkennung. Es ist unsere Aufgabe, die unsichtbare Waffenhaltung sichtbar zu machen. Das kannst Du üben, indem du deinem Partner gegenüber stehst und jeder von euch eine versteckte Waffenhaltung einnimmt. Beide wechseln, wie ein Magier ständig zwischen den versteckten Waffenhaltungen, ohne dass der Gegenüber die Waffe sieht. Plötzlich greift dann einer von beiden an. Du musst den Angriff abwehren. So schärfst du deine Wahrnehmung und lernst, eine verdeckte Waffenhaltung zu erkennen. Wir unterscheiden bei der Waffenhaltung zwischen der versteckten und der getarnten Waffe:

1. Die versteckte Waffe
Messer werden häufig hinter dem Körper versteckt, beispielsweise hinter dem Rücken oder dem Oberschenkel. Bei überkreuzten Armen wird das Messer vor dem Körper gehalten und durch den darüber liegenden Arm verdeckt. Besonders schwer zu erkennen sind Klingen, die unter einer Jacke, Tasche, Zeitung versteckt gehalten werden. Erst kurz vor dem Angriff wird das Versteck fallen gelassen oder als Stich durch das Versteck hindurch ausgeführt.

2. Die getarnte Waffe
Die Waffe kann aber auch als Alltagsgegenstand, als Kugelschreiber, Schirm, etc. getarnt sein. Diese Variante wurde in der letzten Zeit selten genutzt.

Beide Typen haben den getarnten Einsatz des Messers gemein. Der Angriffsbeginn ist also fast unsichtbar: Der Täter steht neben seinem ahnungslosen Opfer und dreht sich scheinbar weg. Dann dreht er sich entweder weiter und sticht in den Rücken oder er dreht sich blitzartig wieder zurück und sticht zu. Die Opfer werden abgelenkt, indem ihnen z.B. mit links ein Zettel vor die Nase gehalten wird und mit rechts zugestoßen wird. Danach geht der Täter auf den nächstbesten Menschen los. Das ist der Beginn des Gewaltexzesses, der maßlosen Form der Gewaltausübung.

Es gab Stabbing-Täter, die als Ersttat ihr ahnungsloses Opfer in der Fußgängerpassage anrempelten, sie hinterrücks abstachen und weitergingen. In vielen Fällen spürte das Opfer zunächst noch nicht, dass es mit einer Klinge getroffen wurde. Erst das Blut an der Hand signalisierte ihm, nach ca. 10 Sekunden die Wunde. Der Schockzustand tritt ein …

Fortsetzung folgt. Sei gespannt auf den zweiten Teil, der dich einen weiteren Schritt der Waffenabwehr näher bringen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.