Motto des Monats April

Motto des Monats April

„Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann: Der eine ist gestern und der andere morgen.“

(Tendzin Gyatsho *1935, 14. Dalai Lama)

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob uns das Motto des Monats zu einer hochmotivierten Trainings – Anstrengung ermahnen soll. Es klingt fast wie die Anfänge der protestantischen Ethik, die den Menschen Sparsamkeit, Disziplin und harte Arbeit nahelegte. Vertreter dieser Richtung glauben, dass diese Anstrengungen schließlich zu gottgewolltem Reichtum führen. Der Ökonom Max Weber war der Hauptvertreter dieser Richtung. Er sah einen klaren Zusammenhang zwischen der Religion und dem wirtschaftlichen Erfolg der Menschen. Das Ideal Webers war der ungeheure Wille zur Arbeit und gleichzeitig der asketische Verzicht auf Konsum. Gerade der Verzicht auf Konsum beziehungsweise dessen Reduktion finden sich im Buddhismus wieder. Dort weiß man: „Ein Millionär hat auch nur 10 Finger, um Ringe dran zustecken.“

Aber das Zitat des geistigen Führer aus der Tibeter geht noch weiter: „Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann: Der eine ist gestern und der andere morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist.“

Liebe, Glaube und Leben

Es steht also genauso das Positive des Menschen und vor allem das Leben im Hier und Jetzt, im Zentrum des Daseins. Viele Menschen arbeiten unentwegt an der Zukunft. Anstatt die aktuelle Situation mit ihren Fähigkeiten zu bereichern, schieben sie es immer wieder hinaus. Dieser zweite Teil des Mottos erinnert mich daran, dass der Buddhismus glaubt, dass alles Leiden von unseren Wünschen herrührt. Aida, IPad, BMW: Heutzutage würde man vielleicht sagen, alles Leiden käme von überzogenen Ansprüchen. Wenn wir aufhören würden, all den materiellen und immateriellen Dingen, wie Glück, Wohlbehagen, Anerkennung und Zärtlichkeit wie besessen hinterher zu jagen, dann würden wir auch zu unserer inneren Zufriedenheit zurückfinden. Stell dir vor, Du wärst in einem Flugzeug, dass gerade abstürzt. Du hast noch 3 Minuten Lebenszeit. Was würdest Du gern tun? Dass musst Du jetzt ändern!

Der Buddhismus behauptet also, häufig entstünde das Unglück der Menschen, da der Mensch entweder an negative Dinge aus der Vergangenheit denkt und so sein Gefühl verschlechtert oder er sich Sorgen über zukünftige Entwicklungen macht und er so auch wieder negativ denkt. Bei diesen rückwärts- und vorwärtsgerichteten Gedanken verliert er den Blick auf die Gegenwart und auf sein aktuelles Leben. Er verliert den Blick auf sich, seine Mitmenschen und die Natur. Er verliert den Blick auf die Gegenwart, in der er atmet, sieht, schmeckt, hört, riecht, fühlt, denkt und handelt. Da er vieles an der Zukunft ausrichtet, verpasst er die Gegenwart.

Ich denke, dass uns das Motto des Monats auf ein Gleichgewicht der drei Zeiten hinweisen soll. Die Vergangenheit ist wichtig, wenn wir daraus lernen können, uns und unsere Umgebung zu verstehen. Die Vergangenheit gehört zu uns. Sie sollte uns aber nicht komplett beherrschen.

Die Gegenwart ist im Buddhismus die wichtigste Zeit. Dagegen stehen wirtschaftliche Anforderungen (Miete, Auto, Telekom), denn sie diktieren unbarmherzig: Zeit ist Geld. Der Buddhismus stellt sich dagegen, indem er den aktuellen Moment, das was du gerade tust, wahrnehmen möchte. Wer seine dringenden Probleme genau betrachtet, sieht, dass alle Probleme nur in unserem Geist vorhanden sind. Man muss sich auch mal davon lösen können. Denn häufig kommt es auch durch Loslassen zur Lösung des Problems.

Die Zukunft betrifft unsere Planung, um unsere Möglichkeiten für morgen zu verbessern und uns weiterzuentwickeln.

Wir brauchen alle drei Zeiten. Sind sie im Gleichgewicht, so kommt der Mensch automatisch zum Glück.

Angriff, Abwehr, Reaktion

Gerade in der Selbstverteidigung ist natürlich das Agieren und Reagieren im Jetzt absolut wichtig. Deswegen verbeugen sich viele Schüler beim Betreten des Nug Mui Studios. Mit diesem Ritual treten sie aus ihrem gehetzten Alltag aus und betreten eine neuen Welt. In dieser neuen Welt sind sie ganz bei sich, bei den Techniken und ihren Kampfbewegungen. Sobald Sie mit dem Gedanken abschweifen, vertun sie sich bei ihren Bewegungen und sie werden schnell getroffen. Planen Sie die Technik voraus, sind also nicht im Jetzt, klappt die aktuelle Bewegung nicht, weil sie schon an die nächste Technik denken. Hat man den letzten Treffer im Hinterkopf, wird man sich allein darauf konzentrieren, um diesen nicht noch einmal zu erleben: So wird ein anderer Treffer aufgrund der fehlenden Konzentration ein neues Problem schaffen.

Nug Mui lernt uns gegenwärtig zu sein, immer wieder in kleinen und einfachen Schritten. Jede Stunde, jeder Schritt bringt dich weiter und hilft dir Ruhe und inneren Frieden mit dir und der Hektik deines Lebens zu finden.

Nach dem schweißtreibenden Training ist häufig das vormalige Problem ganz klein und manchmal die Lösung da, wie von Geisterhand.

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