Motto des Monats März

Motto des Monats März

Der römische Philosoph und Naturforscher Lucius Annaeus Seneca stellte schon zu Beginn der Zeitrechnung fest, dass die Vermittlung von Wissen durch Beispiele um vieles effektiver und schneller funktioniert, als durch lange Monologe, durch das Lehren, wie er es nennt. Bei einer klassischen Vorlesung bringt der Dozent dem Publikum seine Erkenntnisse näher. Seneca behauptet, dass der Schüler nicht alles das mitbekommen wird, was ihm der Lehrer in Form des Monologs lehrt. Ich würde sogar behaupten, dass der Schüler den kompletten Stoff gar nicht mitbekommen kann, egal, wie sehr sich beide auch anstrengen mögen.

Die begrenzte Wissensübertragung beim klassischen Lehren hat folgende Gründe:

Der Lehrer präsentiert eine Reihe von aufeinander aufbauenden Schlussfolgerungen, einen speziellen Weg, seinen Weg. Jeder hat sein eigenes Gehirn. Der Dozent beschreibt das Ergebnis seines Denkens und damit seinen individuellen Weg. Die Schüler finden den Weg des Lehrers oft unglaublich unübersichtlich und durcheinander.

Erkläre jemanden, wie das Haus des Nikolaus aus 8 Strichen gezeichnet wird. Wer keinen Weg kennt, zeichnet deine Variante stumpf nach. Wer eine eigene Variante findet, selber probiert und zur Lösung kommt, der hat wirklich etwas gelernt. Die selbst erworbene Variante merkt sich der Schüler, die nachgeahmte, vergisst er schnell wieder. Übrigens kann das uralte Zeichenspiel auf sage und schreibe 44 Varianten gelöst werden. Wer selber forscht, anstatt nachzuahmen kommt wesentlich weiter.

Das „Haus des Nikolaus“ ist viel mehr als ein simples Kinderspiel. Es geht aus historischen Gründen zuerst um das Königsberger Brückenproblem. Leonhard Euler (1707-1783) hat sich mit diesem Problem beschäftigt und dabei den (heute so genannten) Eulerschen Satz aufgestellt.

Dozenten lesen oft ihr Skript einfach nur vor. Der Unterricht wird sehr langweilig und eintönig. Die Wissensvermittlung des klassischen Dozenten ist dem Stopfen einer Mastgans gleichzusetzen. Es geht den meisten einfach zu schnell. Über z.B. 45 Minuten muss die arme Gans die „Nahrung“ in sich einverleiben – ohne zu Schlucken. Dann gibt es erst einmal gar nichts mehr. Nach der Pause wird wieder weitergestopft. Da kann einem nur schlecht werden, von Verdauen des Stoffes kann keine Rede sein. Der Lehrer kann also nie die exakte Lerngeschwindigkeit aller Schüler treffen. An der Universität probiert man es gar nicht erst. Dort übergeben sich viele während der Vorlesung in Facebook, während sich der Dozent freut, wieder einmal erster zu sein.

Hätte Seneca ahnen können, dass seine damals schon langweiligen Monologen noch zu toppen sind? Sicher nicht. Wir aber wissen, wie sehr vorgefertigte PowerPoint-Präsentationen aus der Office-Retorte unsere Gehirne langweilen und zum geistigen Abschalten animieren. Immer die gleiche Schrift vor dem immer gleichen Hintergrund an der immer gleichen Stelle lässt die uns angeborene unbändige Neugier versiegen.

Im Nug Mui wollen wie es besser machen

Der Nug Mui Lehrer turnt nicht einfach nur schablonenhaft vor und du bildest seine Bewegungen nicht kopie-ähnlich nach. Der Lehrer nimmt dich an die Hand und führt dich zu deinem neuen Aha-Erlebnis, Schritt für Schritt. Die Form lehren wir Lehrer beispielsweise nicht komplett als Ganzes, sondern in kleinen Abschnitten, sehr langsam und zu fast jeder Stunde. Die gute Mahlzeit will genossen sein. Jede Bewegung braucht eine praktische Kampf-Anwendung, eine klare Kampftechnik. Die ist das Beispiel. Die Zirkelhand wechselt Deine Armposition, schau, der Fußtritt geht so verletzungsfrei. Ein guter Sifu (Lehrervater) sollte die körperlichen (biomechanischen) Mechanismen jeder Technik und deren Kampfanwendungen von der Pike auf gelernt haben. Dann wird er zu deinem Begleiter und Mentor.

Was zählt ist der Inhalt, jede einzelne Kampfbewegung und deren Wirksamkeit im realen Kampf. Gesundheitslehre und Gymnastik sind nützliches Beiwerk, mehr aber auch nicht. Das Beispiel, die Kampfkunst-Ausrichtung, darf nie in den Hintergrund geraten.

Dabei bauen alle Formen auf der Siu Nim Tau auf. Ohne die Zentrallinie der Siu Nim Tau verstanden zu haben, versteht man auch nicht, wie sie sich bei Wendungen und Schritten in der Kuen Faat und Cham Kiu verhält. Man versteht nicht, warum man die Zentrallinie nicht immer benutzen kann, wie man die gegnerische in der Biu Tse bricht und wie man sie, zum eigenen Vorteil, in der Muk Yan Chong umgehen kann.

Probier es selbst

Tue es selbst und du wirst verstehen. Oder wie der Volksmund sagt: „Probieren geht über Studieren“.

Also auf zum nächsten Probieren im Nug Mui Training. Ich freue mich auf Dich.

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