Motto des Monats Juni

Motto des Monats Juni

Der deutsch-schweizerische Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein bereichert uns im Juni mit diesem schönen Zitat:

Das Leben ist wie Radfahren.

Um das Gleichgewicht zu halten,

muss man in Bewegung bleiben.“

Das Prinzip des Bewegung spielt bei allen Kampfkünsten eine große Rolle. Im Nug Mui geht es oft darum, einem Angriff geschickt auszuweichen. Das hört sich feige an, ist es aber nicht. Im Gegenteil! Wenn ein größerer und sehr kräftiger Gegner angreift ist Ausweichen die einzig physikalisch mögliche Reaktion. Durch das Ausweichen entkommen wir dem Angreifer. Aus einem guten Winkel können wir von der Seite aus in die Schwachstellen des Gegners einbrechen.

Überdies kann durch das Ausweichen die Kraft der Gegner gezielt genutzt und ins Leere gelenkt werden. So kannst du z. B. Bong Sau und Fauststoß aus der Angriffslinie kommen und gleichzeitig einen K.O Stoß vollziehen.

Hier ist ein weiteres Beispiel für das Ausweichen mit Flankenvorteil.

Das Prinzip beruht auf einer alten japanischen Sage, in der ein Junge von einem starken Sturm überrascht wurde: Er beobachtete, wie die Äste eines starren Eichenbaums im Wind zerbrachen. Der Weide konnte der Sturm aber nichts anhaben. Ihre Äste bogen sich bis zum Boden und richteten sich anschließend wieder auf – sie hat durch „Nachgeben“ überlebt.

Wie werde ich beweglicher?

Indem man seine Blockaden auflöst. Bestes Mittel dafür ist die Siu Nim Tau. Wer die Siu Nim Tau richtig macht, weiß, wie er sich hinstellen muss. lm Schrittbereich Iiegt der Akupunkturpunkt Huiyin (Zusammenkunft mit dem Yin). Die ,,leere und flexible Kraft des Scheitels“ (xo ling ding jin) aus dem Akupunkturpunkt Baihui (Zusammenkunft aller Leitbahnen) am Kopf, muss mit dem Huiyin korrespondieren. Das ist der Schlüssel zur Wahrung einer aufrechten Körperhaltung und des „Energie-Flusses“ von oben nach unten. Der Schrittbereich muss ,,rund und voll“ sein. Die beiden Hüftgelenke sind geöffnet, dann wird der Schrittbereich von ganz alleine bogenförmig. Wenn man dann noch dafür sorgt, dass die beiden Knie in eine Richtung zeigen, die Pobacken etwas nach innen gezogen und die Hüftgelenke geöffnet sind, wird dies ebenfalls zu einem bogenförmigen Schrittbereich beitragen.

Im Nug Mui wird besonderer Wert darauf gelegt, dass man ,,seine Schritte wie eine Katze aufsetzt“ leicht aber stabil. Ganz gleich, um welche Nug Mui Form es sich handelt, die Beine sind gebeugt und unterstützen abwechselnd das Voranschreiten des Körpers. Deswegen müssen die Hüftgelenke locker und die Knie flexibel sein. Erst dann ist gewährleistet, dass der Körper sich natürlich bewegt und Kicks sowie Schrittwechsel geschickt ausgeführt werden können.

Häufigste Ursache der Unbeweglichkeit sind also Blockaden durch die falsche Haltung, welche zur muskulären Anspannung, Verspannung von Muskeln führt, die die Bewegung stören. Solche falschen Spannungszustände führen zu Unbeweglichkeit. Das Ziel: die richtige Kontraktion zur rechten Zeit.

Verkürzungen der Muskeln oder Sehnen und Faszien hemmen dies. Durch das aktive Dehnen und Ansteuern verbessert man seine Beweglichkeit.

Es ist nie zu spät!
Der Mensch ist keine in Granit gemeißelte, unwandelbare Statue. Der Mensch ist wie eine Blume, die jedes Jahr neu erblüht. So wird die Lunge in acht Tagen ersetzt und Fingernägel in fünf Monaten. Eine neue Haut gibt es alle 30 Tage. Sogar unser scheinbar so festes Skelett erneuert sich vollständig alle acht bis zehn Jahre. Der Mensch ist ein bewegliches, sich selbst optimierendes System, das immer zu seiner goldenen Mitte strebt – wenn man es lässt.

Zwei monotone Haltungen, das Sitzen und das Stehen, haben in jahrzehntelanger Übung die großen Beinmuskeln (Oberschenkel und Waden) verkürzen lassen. Die für das Ausweichen, das Kraft übertragen oder das Nachsetzen notwendige Mobilität ist flöten gegangen. Zwischen verkürzten Oberschenkeln und verkürzten Waden gab es ein Tauziehen um das Knie. Die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen lauten Arthrose, Meniskusriss und Knieschmerzen. Durch langes Stehen verkürzt sich der große Oberschenkelmuskel. Seine Normallänge besteht, wenn deine Fersen, auf dem Bauch liegend, locker das Gesäß berühren. Anderenfalls bringst du die Oberschenkel zwei Minuten lang durch die Dehnübung „Kleine Brücke“ wieder auf ihre Ursprungslänge:

1. Setz dich auf die Fersen.
2. Lehne dich möglichst weit zurück und stütze dich mit den Armen auf.
3. Das Becken anheben und nach oben drücken.
4. Im Anschluss legst du dich auf den Rücken.

Durch das Anheben des Beckens ist die Verkürzung der vorderen Oberschenkel-, Hüftbeuge und Schienbeinmuskulatur bald erledigt.

Durch stundenlanges Sitzen verkürzt sich der Zwillingswadenmuskel. Die Zwei-Minuten-Dehnung bringt deine Waden wieder auf Länge:

1. Lehne dich mit beiden Händen an eine Wand und setze einen Fuß weit zurück.
2. Jetzt wird das hintere Bein komplett durchgestreckt.
3. Gehe herunter, indem du das vordere Bein beugst. Deine Zehen sollten ganz gerade zur Wand zeigen. Zwei Minuten gestreckt halten.

Beobachte deine Mitmenschen!
Der Mensch steht und läuft normalerweise mit leicht nach außen gedrehten Füßen. Im Alltag rücken Knie und Füße nach außen. Im Alltag ist das nicht schlimm. Im Kampf ist das nicht gut. Durch den klassischen Yee Gee Kim Yang Ma (二字箝陽馬) werden die Beine geschult, innen zu bleiben. Man trainiert so den Quadrizeps und richtet sich zum Gegner aus. Füße und Knie werden in der Siu Nim Tau darauf konditioniert, den Gegner immer ins Zielvisier zu nehmen. Praktischerweise trainiert die symmetrische Siu Nim Tau dabei direkt beide Beine gleichzeitig.

Diese Übungen fördern die Beweglichkeit:

  • Siu Nim Tau (Gelenkposition und Atmung),
  • Gleichgewichtsübungen (Einbeinstände, T-Balken),
  • Seilhüpfen,
  • Kuen Faat (Pratzentraining trainiert Ausweich- und Meidbewegungen),
  • Dehnung
  • Tennisball an einer Schnur auf Kopfhöhe an die Decke hängen und mit diesem „sparren“

Mit diesen Übungen bekommst du deine Verspannung weg. Womit ich nicht sagen will, dass in der realen Kampfsituation Stress und Angst generell abzuschalten gehen und bekämpft werden müssten. Ganz im Gegenteil. Die Angst muss kontrolliert und kanalisiert werden. In dieser Reihenfolge. Denn Angst sorgt für einen erhöhten Adrenalinpegel und somit zu mehr Energie im Körper. Diese Energie verleiht mir, wenn ich sie kontrollieren kann, mehr Präsenz. Wenn ich mich von dieser Energie allerdings beherrschen lasse, dann blockiert sie meine Muskeln. Die Energie ist also gut für deine Beweglichkeit, allerdings nur, wenn du diese mithilfe der Atmung kontrollierst.

Wieso ist es so schlimm, wenn ich falsch atme?

Wenn wir vor einer großen Herausforderung stehen, atmen wir automatisch ein. Je näher der große Moment kommt, desto häufiger atmen wir ein. Das Problem ist, dass wir vergessen, wiederauszuatmen. Die Lunge ist also schon randvoll und trotzdem will unser Kopf uns weismachen, dass wir einatmen müssen. Nur geht keine Luft mehr rein und wir fühlen uns im Brustkorb beengt und auch im Hals beengt. Anstatt nun weiter einzuatmen, solltest du einfach ausatmen. Und zwar so lange wie möglich.
Versuche bei jeder Anspannung laut auf „f“ oder „sch“ die gesamte Luft auszuatmen. Erst wenn du das Gefühl hast, dass du keinen Hauch mehr ausatmen kannst, atmest du ganz kurz wieder ein und wieder ganz lange aus. So lange wie möglich. Dies wiederholst du drei bis vier Mal und danach bist du ruhig. Das Zittern in den Händen lässt nach, der Schweißausbruch halt sich in Grenzen, das Herz schlagt langsamer (und nicht mehr bis zum Hals), die Beine hören auf zu zittern und auch die Stimme klingt ruhiger.

Wenn Du weiterhin zu viel einatmen würdest, dann hyperventilierst du. Du wirst bewusstlos und kippst einfach um. Wobei die weichen Knie, das Händezittern und all diese Anzeichen von Aufregung erst die Vorstufen zum Hyperventilieren sind. Und selbst diese Vorstufen sind schon sehr nervig, wenn du nicht rechtzeitig anfängst auszuatmen. Wenn du schon mit deinem Widersacher im Streitgespräch bist, dann kannst du natürlich nicht laut auf „f“ oder „sch“ ausatmen. Also tu es lautlos. Du atmest so lange wie möglich aus und dann wieder kurz ein. Genauso wie oben beschrieben, nur ohne einen lauten Zischlaut.

Wenn du als Dompteur in der Manege wahrgenommen werden möchtest, warte nicht, bis es zu spät ist. Sorge durch die richtige tiefe Atmung dafür, dass du mehr Präsenz hast und vom Gegner als Ruhepol wahrgenommen wirst. Der Dantian 丹田ist der Dreh- und Angelpunkt. Dort ist unsere Basis. Dort atmen wir hin und von dort sollten wir auch sprechen. Immer tief aus dem Bauch. „Das Chi kommt aus dem Dantien und fließt die Taille, die Schenkel und die Rückseite entlang 气来自于丹田 沿着腰、大腿及后背流动 heißt es in den Kuen Kuits. Schon der Volksmund rät bei zuviel Stress: „Atme einfach einmal tief durch.“ Der Satz sagt dir: „Höre mit der Brustatmung auf, die dich nervös macht, und atme tief in den Bauch.

Die Konzentration liegt auf der Körpermitte

Und dort hat der Atem sein Zentrum. Du bekommst mehr Beweglichkeit in Deinen Körper. Dein gesamter Körper wird zur Feder. Je entspannter du bist und je intensiver du deinen gesamten Körper spürst, desto schneller werden Deine Aktionen. Dadurch bekommst du die Kraft „in den Körper“, wie man so schön sagt. Mit der Brustatmung bekommst du dies nicht hin. Dafür müssen wir schon tief in den Bauch atmen.

Wenn du also vor dem Kontrahenten mitten in der Kampfarena stehst, dann konzentriere dich darauf, deine Füße zu spüren und den Boden unter deinen Schuhen.

Du kannst klar denken. Wenn unser Körper denkt, dass Gefahr droht, dann haut er – in Bruchteilen von Sekunden – den gesamten Sauerstoff in die Muskeln. Denn in einer Gefährdungssituation müssen wir entweder stärker sein als sonst oder schneller laufen können. Du brauchst also den Sauerstoff in den Muskeln und nicht zum Denken. Folgendes Beispiel: Ein Mann rennt zu einem brennenden Auto, zieht eine Person heraus und schleift sie vom Auto weg in Sicherheit. Hinterher wird der Mann bestimmt gefragt: „Wieso haben Sie das gemacht? Das war doch eine gefährliche Situation. Sie hätten selber dabei sterben können.“ Als Antwort kommt meistens: „Ich habe überhaupt nicht nachgedacht. Ich habe einfach nur gehandelt.“ Genau das passiert uns im Zweikampf: Wir reagieren einfach nur. Denken ist schwierig, weil der meiste Sauerstoff in den Muskeln ist. Das Gehirn schaltet in den Notmodus.

Nun ist Stress schon eine Vorstufe zur Angst. Der Körper reagiert automatisch und befördert den Sauerstoff in die Muskeln. Wundere dich also nicht, wenn die Knie etwas zu zittern beginnen. Mit der tiefen Atmung kannst du verhindern, dass der Körper die Aufregung als Angst überregelt und dadurch kannst du dich wieder bewegen.

Fazit

Stillstand ist ein Zeichen mangelnder Stärke besagt, dass die Nug Mui Techniken miteinander verbundene Positionen sind, die aneinandergereiht und ohne Unterbrechung abgespult werden. Ohne Unterbrechung heißt, dass die Nug Mui Bewegungen eng aneinandergereiht sind wie Perlen auf einer Schnur. Von der ersten bis zur letzten Bewegung soll alles wie auf einer Kette aufgefädelt sein, sodass quasi eine einzige Gesamt-Bewegung entsteht. Dazwischen gibt es keine Stockungen oder Unterbrechungen, damit wir unentwegt geschützt sind und der Gegner unter Dauerbeschuss steht.