Messerabwehr Teil 4. Verwendung von Alltagsgegenständen

Messerabwehr Teil 4. Verwendung von Alltagsgegenständen

Die fürchterlichen Angriffe auf unbewaffnete Zivilisten in London haben gezeigt, wie häufig Messerangriffe geworden sind. In London stürmten drei bewaffnete Männer ein Ausgehviertel nahe der London Bridge. Zunächst raste ein weißer Lieferwagen über die London Bridge und mähte die Passanten nieder. Danach sprangen mehrere Dschihadisten aus dem Wagen und riefen „Das ist für Allah“. Sie zogen lange Messer hervor, rannten in verschiedene Richtungen und begannen wie wild auf Passanten und Besucher der Bars einzustechen. Diese waren wegen dem Finale der Champions League voll mit Gästen. Sie stachen wahllos um sich und töteten mindestens sieben wehrlose Menschen.

Zeugen berichten, die Terroristen stürmten in die Pubs und haben die Hälse der Gäste durchgeschnitten oder sonst mehrfach auf sie eingestochen. Einer erzählte: „Ich war nur einen Fuss entfernt erstochen zu werden. Ich sah viele Menschen wie sie starben. Ich war in einem Pub und sie waren an der Tür am Menschen abstechen.“

Ein weiterer Zeuge berichtete, er sah wie ein Mädchen von einem Terroristen ca. 15 Mal mit einem Jagdmesser erstochen wurde, der dabei rief:

Das ist für Allah!“

Eine Frau sagte:

Wir waren im Restaurant und sahen, wie drei Männer hereinstürmten und einem Gast ein Messer ins Gesicht rammten und einem anderen in den Bauch.“

Du hast in meinen letzten Artikeln erfahren, dass dich eine besondere Achtsamkeit, ein automatischer Radar, der ständig deine Umgebung scannt, vor diesen gefährlichen Angriffen bewahren kann. Aufgrund der verschlechterten Sicherheitslage in Deutschland warnt die chinesischen Botschaft ihre Landsleute davor, nachts allein auf die Straße zu gehen. „Vermeiden Sie nach Möglichkeit, nachts allein auf die Straße zu gehen oder sich an abgelegene Plätze zu begeben“, heißt es in einem Artikel. „Bei der Rückkehr nach Hause versichern Sie sich, ob Ihnen jemand gefolgt ist. Nach dem Eintreten achten Sie darauf, Türen und Fenster geschlossen zu halten, öffnen Sie Fremden nicht leichtfertig die Tür.“

Du hast in meinem letzten Artikel gesehen, dass es eine ganze Menge an Techniken gibt, einem Messerangriff zu entgehen. Der gewichtige Vorteil durch die Waffe bleibt allerdings auch bei einer guten Technik bestehen. Wir können diesen Vorteil wettmachen, in dem wir uns eine eigene Waffe, zum Beispiel in Form eines Alltagsgegenstandes versorgen.

Wenn es wie beim Londoner Stabbing um Leben oder Tod geht, solltest du alle möglichen Hilfsmittel, die dir zur Verfügung stehen, einsetzen. Du kannst viele unscheinbare Alltagsgegenstände als Waffe benutzen und damit einen Messerangriff effektiv abwehren. Je härter und länger deine neue Waffe ist, umso besser. Optimal sind ein Barhocker und Stühle. Gerard Vowls (47), der in einem Pub in der Nähe der London Bridge war sagte, er warf Stühle und Gläser auf die Angreifer, um sie aufzuhalten. Er erzählte dem Guardian: „Sie kamen weiter auf mich zu und versuchten mich zu erstechen – sie stachen auf jeden ein. Böse, böse Leute.“ Dass er mit Alltagsgegenständen, wie Flaschen und Gläser auf die Angreifer warf, rettete möglicherweise sein Leben.

Die meisten von uns schleppen jeden Tag ein ganzes Waffenarsenal mit sich herum, ohne sich dessen bewusst zu sein. Selbst so einfache Dinge, wie Feuerzeuge, Zeitungen oder Schlüssel können im Notfall benutzt werden.

Sprays

Du benötigst auch nicht unbedingt ein Pfefferspray. Viele Frauen tragen sowieso irgendeine Art von Parfüm, Haarspray oder Body Spray bei sich. Diese Sprays haben eine vergleichbare Wirkung und können hervorragend zur Selbstverteidigung eingesetzt werden, wenn dies vorab trainiert wird. Bei den meisten Zugangskontrollen (z.B. in Diskotheken) wirst du damit zudem problemlos hereingelassen. Sprühe mit diesen Sprays immer direkt in die Augen. Beschreibe eine liegende Acht, bis die Flasche leer ist.

In einer lebensgefährlichen Notsituation solltest du diesen Gegenstand griffbereit in der Hand halten, damit er im Falle der Verteidigung sofort eingesetzt werden kann und nicht erst in der Tasche gesucht werden muss. Wenn Du den Alltagsgegenstand einsetzt: Atme tief aus, verbunden mit einem kräftigen Schrei, während du damit ansatzlos zuschlägst. Decke den Gegner mit mehreren Schlägen ein und bewege dich dabei kontinuierlich in seine Richtung. Führe alle Verteidigungs- und Angriffsbewegungen schnell und überraschend auf die vitalen Punkte aus.

So nutzt du einen Autoschlüssel als Waffe

Halte den Autoschlüssel wie einen Stoßzahn zwischen deinen Fingern. Der Griff ist in der Handfläche, der Bart steht zwischen den Fingern hervor. Wenn man den Schlüssel achtsam schon in der Hand hält und dann plötzlich angegriffen wird, kann man ihn ohne Zeitverzögerung einsetzen. Mit genügend Kraft kann man mit dem Schlüssel ernsthafte Verletzungen zufügen, vor allem an den vitalen Punkten, wie den Nebenhöhlen, den Lippen oder dem Hals. Dabei ist das Überraschungsmoment auf deiner Seite, dein entscheidender Faktor. Kein Angreifer geht davon aus, plötzlich mit einem scharfen Gegenstand geschlagen zu werden. Wie effektiv der Stoßzahn-Schlüssel ist, kannst Du selbst ganz leicht zu Hause ausprobieren.

  1. Halte den Schlüssel zwischen Zeige- und Mittelfinger.
  2. Der Griff liegt fest in deiner Handfläche.
  3. Der Bart ragt wie ein Elefantenstoßzahn aus der Hand.
  4. Schlage kraftvoll auf eine Melone.
  5. Der 5 cm lange Schlüssel durchdringt bei einer Schlagkraft von 100 kg das Gewebe.
  6. Die Melone ist dauerhaft oder zeitweilig außer Gefecht gesetzt.

Der Wohnungsschlüssel

Das Geheimnis liegt in der kleinen Oberfläche des Schlüssels. Da sich die ganze Kraft des Schlages auf die kleine Fläche des Schlüssels konzentriert, kann auch ein schwacher Schlag zu ernsthaften Verletzungen führen. Übe, mit deinen Fingern rasch von einem zum anderen Schlüssel zu springen, um die optimale Sicherheit zu erlangen. Versuche auch, die Tür aufzuschließen, obwohl du den Schlüssel schon kampfbereit hältst.

Regenschirm

Am besten eignen sich längere Gegenstände, wie ein Regenschirm, eine zusammengerollte Zeitung oder eine Wasserflasche. Sie liegen wie ein guter Escrima-Stock in deiner Hand. Zu seiner effektiven Handhabung solltest du mindestens ein Waffenseminar besuchen.

Im Ernstfall muss eine reflexartige Abwehr stattfinden. Durch das Waffen-Training lernst du, schnell und gezielt zu handeln, ohne nachdenken zu müssen. Es muss ein Automatismus stattfinden und die Techniken müssen schnell, einfach und effektiv sein.

Wenn du angegriffen wirst, bewege dich so, als hättest du eine Fackel in der Hand, um dir wilde Tiere vom Hals zu halten. Selbst ein Regenschirm, der kraftvoll vor dem eigenen Körper geschwungen wird, wird so zu einem wirksamen Mittel, um den Angreifer auf Distanz zu halten. Aus der Langdistanz greifst du die Gelenke an, die die Bewegung des Gegners einschränken. Sein Arm oder Bein ist nicht mehr vollständig einsatzbereit. Verbessere den so genannten 1. und 2. Schlag aus dem philippinischen Escrima. Übe diese Schläge nun gegen einen Boxsack. Starke Stockstiche sind auch nicht zu unterschätzen.

Schild und Stock

Nun kombinieren wir diese Schlagtechniken nach dem Modell „Schild und Stock“. So geht es: Der Verteidiger nimmt als Schild Aktentasche, Tablet oder Handtasche in die linke Hand. Breite Lederarmbänder wurden schon früher zur Abwehr getragen. Mit rechts bewaffnet er sich mit einer Alltagswaffe (Stuhlbein, Gastronomie-Messer, Wasserflasche, Schlüssel, Handy …). Während du dein Schild direkt auf den gegnerischen Waffenarm schlägst, greift dein rechter Waffenarm mit starken Schlägen an.

Um heil aus der Notsituation Stabbing herauszukommen, solltest du folgende Verhaltensweisen beachten:

  1. Sei aufmerksam.
  2. Bewaffne dich mit Alltagsgegenständen nach dem Modell „Schild und Stock“.
  3. Begebe dich aus der unmittelbaren Angriffszone.
  4. Kollektive Selbstverteidigung: Mache andere Leute aufmerksam!
  5. Greife zuerst die Waffenhand an.
  6. Greife dann die vitalen Punkte (Augen) an.
  7. Bleibe immer in Bewegung.

Allerdings darfst du dich niemals ausschließlich auf Alltagsgegenstände verlassen. Sie können deine Verteidigung wirksam unterstützen. Aus vielerlei Gründen können sie aber ausfallen oder gerade nicht zur Verfügung stehen. In diesem Fall musst du ebenso blitzschnell auf den „waffenlosen Kampf“ umschalten .

Kommende Woche kommen wir zum letzten, dem fünften Teil zur Abwehr von Messerangriffen. Es ist vermutlich der wichtigste Teil, denn er behandelt die psychologische Komponente. Sei gespannt, wenn wir uns nächste Woche mit dem Hemmungsabbau beschäftigen werden.